Ein kurzer Hinweis vorweg

Der Einfachheit halber ist nur von Pflegekindern die Rede, die meisten Punkte finden selbstverständlich auch bei Adoptivkindern Anwendung.

Inhaltsverzeichnis

1) Übertragung

2) Zusammenleben mit seelisch verletzten Kindern

3) Probleme

4) Supervision

Übertragung

Kommt ein Kind in eine Pflegefamilie, findet eine schnelle (scheinbare) Integration statt, welche aber treffender "Überanpassung" genannt wird. Erst nach einiger Zeit, wenn das Kind die Pflegeeltern als beschützend und nicht als bedrohlich empfindet, finden Übertragungen statt. Dies bedeutet, dass das Kind frühere Erfahrungen und damit verbundene Reaktionen und Gefühle innerhalb der neuen Beziehung inszeniert, was zu großen Konflikten führen kann, wenn es missverständlich interpretiert wird. Dieser vermeintliche Rückschritt ist jedoch ein Fortschritt, die alten Erfahrungen werden auf die jetzige Situation übertragen und die neuen Eltern sind Stellvertreter für die Herkunftseltern. Das Kind sieht die neue Lebenssituation also durch den Filter seiner früheren Erfahrungen und kann in der ungefährlichen Beziehung zu den Pflegeeltern frühere Erlebnisse aufarbeiten. Diese Form der Wiederholung ist notwendig, damit frühere Erfahrungen korrigiert werden können.

Gefühle aus der Vergangenheit können aktuelle Beziehungen und den Umgang mit anderen Menschen völlig beherrschen. Es ist wichtig, dass Pflegeeltern diese Vorgänge kennen und entsprechend reagieren können bzw. die Übertragung zulassen können. Grundvoraussetzung ist hierbei, dass die Pflegeeltern möglichst genau über die Vorgeschichte des Kindes bescheid wissen. Erst wenn die Kinder die wiederholte Erfahrung machen, dass die Situationen einen anderen Ausgang haben als es früher der Fall war, kann sich die Übertragungsbeziehung allmählich auflösen und Platz für eine neue Beziehung machen.